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Arbeitsbedingungen für das Gebärdensprach­dolmetschen

Äußere Bedingungen für eine optimale Dolmetschsituation

Um eine hohe Qualität ihrer Arbeit zu gewährleisten, sind DolmetscherInnen während des Einsatzes auf möglichst gute Arbeitsbedingungen angewiesen. Dazu gehört ausreichend helles Licht – einerseits, um die gebärdende Person klar sehen zu können, andererseits, damit die hörgeschädigten GesprächsteilnehmerInnen die dolmetschende Person ohne Anstrengung gut wahrnehmen können. Das bedeutet auch, dass möglichst keine der beiden Parteien vor einem hellen, blendenden Hintergrund sitzt (zum Beispiel vor einem Fenster), weil dies die Gesichter der betreffenden Personen verdunkelt und somit gebärdensprachimmanente Grammatik, wie z. B. Mimik, nur undeutlich erkennbar ist. Da alles, was nur undeutlich wahrgenommen oder nicht gehört wird, nicht gedolmetscht werden kann, ist des Weiteren räumliche Nähe zur RednerIn bzw. eine gute Lautsprecheranlage wichtig für das Dolmetschen. Für eine gesunde Arbeitshaltung werden darüber hinaus stabile Stühle in Erwachsenengröße ohne Armlehnen benötigt, da DolmetscherInnen größtenteils im Sitzen arbeiten und dabei eine gewisse Bewegungsfreiheit für beschwerdefreies Arbeiten unabdingbar ist.

Hinweise an die Kommunikationsteilnehmer zum Verhalten in einer Dolmetschsituation

DolmetscherInnen sind darauf bedacht, bei ihrem Einsatz im Hintergrund zu bleiben, also quasi unsichtbar zu sein. Um ihre Arbeit als SprachmittlerInnen optimal ausführen zu können, ist es sehr hilfreich, wenn alle Anwesenden auf eine deutliche, aber wie gewohnt flüssige Sprechweise achten und damit auf die erhöhte Informationsverarbeitungs- und Konzentrationsleistung einer DolmetscherIn Rücksicht nehmen. Es ist für eine einzelne Person in Situationen, in denen es heiß hergeht und im Eifer des Gefechts mehrere Redebeiträge gleichzeitig erfolgen, schlichtweg unmöglich mitzuhalten, denn es sollte nicht vergessen werden, dass eine DolmetscherIn immer nur eine Person zur Zeit dolmetschen kann. Einer DolmetscherIn obliegt es im Übrigen nicht, zu entscheiden, welchen der Beiträge sie dolmetscht und welcher unter den Tisch fällt. Deshalb ist es im Interesse aller am Gespräch Beteiligten, gleichzeitiges Sprechen zu vermeiden, um einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen. Andernfalls kann es passieren, dass die DolmetscherIn – oder ihre KollegIn – in das Gespräch eingreifen muss.

Es kann auch vorkommen, dass sie um eine Wiederholung einer bestimmten Äußerung bittet. Ein solches Vorgehen ist kein Zeichen von Inkompetenz. Im Gegenteil, ein gutes Dolmetscherteam respektive eine gute DolmetscherIn bemüht sich auch unter widrigen Umständen um eine vollständige Übertragung des Gesprächs. In diesem Fall geht es nicht darum, die Inhalte des zuvor Gesagten zu erklären, sondern die DolmetscherIn hat eine Information aus verschiedenen (zum Beispiel akustischen) Gründen nicht aufnehmen können. Somit ist eine tatsächliche Wiederholung, sofern möglich, wünschenswert. Ab und an wird entgegnet, dass das eben Gesagte eigentlich nicht so wichtig sei. Darüber kann im Grunde nur die andere GesprächspartnerIn (ob hörend oder gehörlos ist völlig gleichgültig) entscheiden. Daher sollte die vermeintlich unwichtige Äußerung wiederholt werden, um somit einen uneingeschränkten Zugang zu sämtlichen Informationen und damit Gleichberechtigung und Partizipation zu gewährleisten.

Hinweise an die DolmetscherIn wie: Könnten Sie ihm wohl sagen... oder: Sagen Sie ihr doch bitte... sind unpassend und führen zur Verwirrung. Man kann sich – wie sonst auch – seinen Kommunikationspartnern zuwenden und sie direkt ansprechen. Eine weitere Formulierung wird nicht den gewünschten Effekt haben: Dolmetschen Sie das jetzt mal bitte nicht. Denn in ihrer Funktion als Sprachmittler haben die DolmetscherInnen die Aufgabe, transparent zu sein und jede Äußerung zu dolmetschen.

Es kommt immer wieder vor, dass DolmetscherInnen in das Handlungsgeschehen eingebunden werden, indem sie während des Dolmetschens direkt angesprochen bzw. etwas gefragt werden. Dies ist sicherlich verständlich, man sollte sich jedoch vor Augen führen, was das für die DolmetscherIn bedeutet: Sie kann ja nicht einfach ihre Arbeit abbrechen und am Gespräch teilnehmen und einen Teil ihrer KlientInnen vom Geschehen ausschließen. Sie wird also erst einmal die an sie gestellte Frage dolmetschen. Dies bedeutet schon eine Zeitverzögerung, bevor sie dann möglicherweise antwortet und auch ihre Antwort wiederum dolmetscht. Im Dolmetschprozess führen direkte Fragen also zu einer komplexen Situation, in der die reibungslose Kommunikation zwischen den GesprächsteilnehmerInnen auf jeden Fall an erster Stelle stehen bleiben muss. Es empfiehlt sich von daher, direkte Fragen an die DolmetscherIn vor oder nach dem Einsatz zu stellen.