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Arbeitsweise von Gebärdensprach­dolmetscherInnen

Übliche Dolmetschtechniken

GebärdensprachdolmetscherInnen dolmetschen in den meisten Fällen simultan. Das heißt, dass sie mit einer relativ kleinen zeitlichen Verzögerung (lagtime) parallel zur SprecherIn einen zielsprachlichen Text produzieren. Im Gegensatz zum Konsekutivdolmetschen, das zwischen zwei Lautsprachen häufiger vorkommt, ist das Simultandolmetschen Zeit sparender, weil nicht abgewartet werden muss, bis der Sprecher fertig oder eine Sinneinheit abgeschlossen ist, um schließlich mit der Übersetzung anschließen zu können. GebärdensprachdolmetscherInnen arbeiten aufgrund der visuellen Gebärdensprache nicht versteckt in Kabinen, wie ihre LautsprachkollegInnen dies etwa auf Kongressen tun, sondern sind stets präsent im Blickfeld der Beteiligten.

In manchen Situationen ist es nicht das gesprochene Wort, sondern ein schriftlicher Text, der von der DolmetscherIn in die Gebärdensprache übertragen wird. Diese Technik nennt man Vom-Blatt-Dolmetschen. Sie kommt zum Beispiel im Rahmen von Behördengängen bei der Übersetzung von Formularen zur Anwendung.

Dolmetschen im Team

Eine DolmetscherIn muss während ihrer Tätigkeit eine hohe Konzentration aufbringen. Erwiesenermaßen kann dieses hohe Maß an Leistung nicht unbegrenzt aufrechterhalten werden und die Dolmetschqualität ließe zwangsläufig mit fortschreitender Zeit nach, wenn nur eine Person ohne Unterbrechung dolmetschen würde. Aus diesem Grund arbeiten DolmetscherInnen zumeist im Team. Bei besonderen Veranstaltungen kann ein Team auch aus drei oder mehr DolmetscherInnen bestehen, wie es beispielsweise bei Kongressen vorkommt. Damit die DolmetscherInnen in der Vorplanung eines Auftrags entscheiden können, wie viele KollegInnen zum Einsatz kommen sollten, bedarf es im Voraus genauer Angaben über die Art, die Dauer und den Ablauf der jeweiligen Veranstaltung.

Einsätze von Zweier-Teams sehen in der Regel wie folgt aus: Beide KollegInnen sitzen zusammen (nebeneinander oder sich gegenüber), im Wechsel dolmetscht jeweils eine von ihnen aktiv. Die scheinbar passive KollegIn bleibt aufmerksam, um die Dolmetschende bei Bedarf jederzeit zu unterstützen. Auf diese Weise kann eine höchstmögliche Dolmetschqualität über einen relativ großen Zeitraum gewährleistet werden. Daher können diese Zweier-Teams während ihres Einsatzes auch nicht getrennt werden. Bei der Gestaltung von Gruppenarbeit innerhalb eines Seminars beispielsweise ist deshalb – bei Teilnahme mehrerer hörgeschädigter Personen – darauf zu achten, dass man sich im Vorfeld unter Rücksprache mit einer der DolmetscherInnen um ausreichende Besetzung kümmert, da sich ein Team nicht splitten wird, um mehrere Gruppen bedienen zu können.